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Dr. Thomas Nösslinger
3. Med. Abteilung für Hämatologie und Onkologie |
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Bericht über den Kongress der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie (ASH) (New Orleans, 5.–8. Dezember 2009)
Neues zu NHL und CLL
- NHL (Non-Hodgkin Lymphome)
- CLL (Chronisch Lymphatische Leukämie)
- Patienten mit „Smouldering Myelom“
- Glossar
- Interessante Artikel und Links
Berichte vom ASH-Kongress 2009
- ASH 2009 Bericht von Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig
- ASH 2009 : Highlights Bericht von Univ. Prof. Dr. Johannes Drach
- ASH 2009 : Myelodysplasien Bericht von Univ. Doz. Dr. Michael Pfeilstöcker
- ASH 2009 : NHL und CLL Bericht von Dr. Thomas Nösslinger
Interessante Artikel und Links
- Bericht vom ASH Kongress 2008
- Bericht vom ASH Kongress 2007
- Bericht vom ASH Kongress 2006
- Bericht vom ASH Kongress 2005
- American Society of Hematology
NHL (Non-Hodgkin Lymphome)
Ein Highlight waren heuer sicherlich die schon mit großer Spannung erwarteten Ergebnisse der Untersuchung von Bendamustin als chemotherapeutischer Kombinationspartner von Rituximab in der Erstlinienbehandlung von PatientInnen mit therapiebedürftigen indolenten B-zelligen Non Hodgkin Lymphomen, inklusive Mantelzell-Lymphom (Abstract 405, Rummel et al). In dieser prospektiv randomisierten Phase III Studie der deutschen Study Group Indolent Lymphomas (StiL) wurde die Standardinduktions-Chemo/Immuntherapie R-CHOPx6 mit R-Bendamustinx6 (R-B) verglichen, wobei Bendamustin mit 90 mg/m2 an den Tagen 1+2 verabreicht wurde (Wiederholung alle 4 Wochen). 513 randomisierte Patienten (medianes Alter 64 Jahre) waren auswertbar, primärer Studienendpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS). 55% der Patienten litten an einem follikulären Lymphom, 18% an einem Mantelzell-Lymphom und 27% an anderen indolenten NHL´s.
Primär war diese Studie als sogenannter „non-inferiority trial“ konzipiert, die Resultate sprachen jedoch, nach einer medianen Beobachtungszeit von 32 Monaten, eine ganz andere Sprache; in allen relevanten Studienendpunkten schnitt R-B signifikant besser ab (Tabelle 1), unter anderem auch in der medianen Zeit bis zur nächsten notwendigen Behandlung (TTNT), die gerade bei indolenten Lymphomen einen relevanten Faktor für die PatientInnen und Ihre Lebensqualität darstellt. Im Detail konnte das PFS um beeindruckende 20 Monate verlängert werden, und auch die Anzahl der kompletten Remissionen stieg signifikant von 30% auf 40%. Zudem war die Prüfmedikation deutlich besser verträglich als der alte Standard. Die PatientInnen im R-CHOP Arm litten signifikant häufiger an Grad 3/4 Neutropenie (46% vs 10%), mussten daher signifikant öfter G-CSF erhalten (20% vs 4% aller Zyklen) und hatten dennoch signifikant mehr infektiöse Episoden. Im R-B Arm trat hingegen mehr Hauttoxizität auf (Erytheme, Juckreiz). Letztlich nicht unerheblich scheint das fast gänzliche Ausbleiben von Haarausfall im Prüfarm.
Zusammenfassend hat R-Bendamustin großes Potential, ein neuer Standard bei der Erstlinientherapie indolenter Non-Hodgkin Lymphome zu werden.
Fact Box
| R-B | R-CHOP | HR | p | |
|---|---|---|---|---|
| PFS (Monate) | 54,8 | 34,8 | 0.57 | 0.0001 |
| CR (%) | 39,6 | 30,0 | 0.02 | |
| ORR (%) | 92,7 | 91,3 | NS | |
| TTNT (Monate) | nicht erreicht | 37,5 | 0.52 | 0.0002 |
CLL (Chronisch Lymphatische Leukämie)
Herausragend war sicherlich das update der CLL-8 Studie, die bereits 2008 beim ASH Meeting erstmals vorgestellt wurde (Abstract 535, Hallek et al). Diese prospektiv randomisierte Phase III Untersuchung verglich FC (Fuldarabin, Cyclophosphamid) mit Rituximab-FC in der Erstlinientherapie der therapiebedürftigen CLL. Die wesentlichen Ergebnisse sind in Tabelle 2 zusammengefasst. Wie bereits berichtet, konnte die CR Rate von knapp 22% auf 44% verdoppelt werden, und das progressionsfreie Überleben um 20 Monate verlängert werden. Das beeindruckende des heurigen Update war, dass erstmals in einer randomisierten Studie ein signifikanter Überlebensvorteil für ein Therapieschema in der Erstbehandlung der CLL gezeigt werden konnte.
Weiters wurden auch Ergebnisse für spezifische zytogenetische Subgruppen präsentiert. So profitierten PatientInnen mit 13q-, 11q- oder Trisomie 12 signifikant, während dies bei PatientInnen mit del17p, wie zu erwarten war, nicht der Fall war. Überraschenderweise hatten jedoch auch PatientInnen, die keine dieser spezifischen Karyotypveränderungen aufwiesen, keinen Vorteil von der R-FC Behandlung.
Auch die Problematik, dass in der letztjährigen Auswertung Binet-C PatientInnen nicht signifikant vom experimentellen Arm profitierten, wurde erneut diskutiert und näher beleuchtet. So konnten in diesem fortgeschrittenem Stadium im Median nur eine unzureichende Anzahl an Zyklen verabreicht werden. Vergleicht man nur die Gruppen, die zumindest vier Therapiezyklen erhielten, so zeigt sich letztlich ein eindeutiger Vorteil für die Chemo-Immuntherapie.
Fact Box
| R-FC | FC | HR | p | |
|---|---|---|---|---|
| CR (%) | 44,1 | 21,8 | <0.001 | |
| ORR (%) | 95,1 | 88,4 | ||
| PFS (Monate) | 51,8 | 32,8 | 0.56 | <0.001 |
| 3 Jahres-PFS (%) | 65 | 45 | <0.001 | |
| 3 Jahres-OVS (%) | 87,2 | 82,5 | 0.66 | 0.01 |
Ein zweiter wesentlicher Aspekt, der sich durch mehrere CLL-Präsentationen zog, war die Gefahr starker Nebenwirkungen durch den monoklonalen Antikörper Alemtuzumab. Während die Kombination mit Fludarabin in der Zweitlinientherapie (Abstract 537, Engert et al) keinerlei erhöhte Toxizität aufwies, mussten in anderem Setting zwei Studien verfrüht gestoppt werden: sowohl die Kombination mit FC im Rezidiv (Abstract 209, Elter et al) als auch die Konsolidierung nach FC Erstlinienbehandlung (Abstract 538, Lepretre et al) erwies sich als zu nebenwirkungsreich, wobei überwiegend infektiöse Komplikationen beobachtet wurden. Lediglich in der Studie vom M.D. Anderson Cancer Center (Abstract 208, Parikh et al), wo Alemtuzumab in der Erstlinientherapie mit R-FC kombiniert wurde (CFAR), zeigte sich ein akzeptables Nebenwirkungsprofil, das mit dem von R-FC vergleichbar war.
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